Leave a little Love

 

Album, veröffentlicht im Oktober 1981 in Deutschland bei Ariola (Best.-Nr. 204099365

 

Mit „Leave a little Love“ erschien im Oktober 1981 - also vor nunmehr 40 Jahren - ein besonderes Album von Udo Jürgens. Es enthielt ausschließlich englischsprachige Lieder und das verleiht ihm eine gewisse Sonderstellung. Sicherlich gab es davor schon rein fremdsprachige Zusammenstellungen (Compilations) aber eben kein Album, welches extra mit Blick auf den internationalen Markt produziert wurde (mit Ausnahme eines Weihnachtsalbums für Italien). Udo bekam die Möglichkeit dazu, als er einige Aufmerksamkeit in Amerika erregte, denn ihm wurde im Jahr 1980 für die Komposition „Buenos Dias Argentina“ (gesungen von Marty Robbins mit englischem Text) der „Country Music Award“ als Komponist des Songs verliehen. In diesem Rahmen trat er auch im amerikanischen Fernsehen in der Merv Griffin Show auf, die in Los Angeles produziert wurde. Die Stadt beeindruckte Udo damals nach eigenen Angaben so sehr, dass er dort eine Weile wohnen und arbeiten wollte. Und so kam es, dass Udo in der ersten Hälfte des Jahres 1981 jeweils für einige Wochen nach Los Angeles flog und dort mit dem Produzenten Harold Faltermeyer sechs neue Lieder und drei Neuaufnahmen mit mehreren hochkarätigen Studiomusikern und Textern produzierte. 

 

Der Sound des Albums ist hervorragend, genauso wie die Arrangements von Udo, Faltermeyer und Jai Winding. Alle Kompositionen bis auf eine stammen von Udo Jürgens und unter den beteiligten Studiomusikern sind internationale Größen wie der Toto-Gitarrist Steve Lukather und die Bläser von Earth, Wind and Fire. An den Drums saß Keith Forsey, einer der gefragtesten und vielbeschäftigten Session-Drummer dieser Zeit. Und auch die anderen Musiker haben damals und seitdem an unzähligen bedeutenden Produktionen mitgewirkt: Les Hurdle (Bass), Tim May, Trevor Veitch und Marty Walsh (alle drei an der Gitarre), David Luell (Saxophon) - um nur ein paar zu nennen. Die musikalische Qualität des Albums ist also extrem hoch und im darauffolgenden Jahr 1982 wurde Udo Jürgens für „Leave a little Love“ der Goldene Schallplattenpreis verliehen. 

 

Nur ein Charterfolg war ihm nicht beschieden, denn weder das Album noch die vorab ausgekoppelte Single mit dem Titelsong auf der A-Seite (und „Even an angel has bad days“ auf der B-Seite) konnten sich dort platzieren. Für viele seiner Fans war „Leave a little Love“ wohl zu speziell, aber natürlich gibt es auch einige, die das Album als Meilenstein von Udos Karriere einordnen und nicht zuletzt auch für ihn selbst wurde damit ein Traum wahr. In Deutschland erschien das Album im Oktober 1981 und wurde mit einer Multimedia-Pressepräsentation an sieben europäischen Orten vorgestellt: Saarbrücken, Zürich, Stuttgart, Hamburg, Köln und Wien. Das Marketing wurde im darauffolgenden Jahr in weitere Länder getragen und so erreichte Udo Jürgens auch international eine hohe Aufmerksamkeit. Das Album erschien in mehr als 20 Ländern, aber bemerkenswerterweise nicht in den USA oder Großbritannien.

 

Udos Beziehung zu Amerika und seiner Musik kann man nur als besonders bezeichnen. Seine Liebe für den Jazz und für Stars wie Frank Sinatra oder Sammy Davis Jr. hat er oft bekundet. Das Land selbst lernte er kennen, als er 1957 eine mehrmonatige Studienreise mit Freunden unternahm, bei der sie von New York an die Westküste und zurück mit dem Auto fuhren. Udo schwärmte später immer wieder, wie er in Musiklokalen in die Tasten griff und dabei die Anerkennung auch der farbigen Musiker und Zuhörer fand. Später führten ihn mehre Tourneen in die USA und nach Kanada. Nun konnte er Anfang der Achtziger Jahre also selbst mit einigen der Größten der amerikanischen Musikszene eine Platte aufnehmen. 

 

Mit dem Titellied „Leave a little Love“ gewann Udo Jürgens am 1. November 1981 beim „World Popular Song Festival“ in der Nippon Budokan Hall in Tokio/Japan den „Most Outstanding Performance Award“ als Interpret und den „Outstanding Song Award“ als Komponist. Das Lied und Udos Auftritt bewiesen damit eine Klasse, die auch internationale Kritiker überzeugen konnte. Der Texter des Liedes ist Will Jennings, dieser erhielt mehrere bedeutende Auszeichnungen, darunter einen Oskar für den Song „Up where we belong“ aus dem Spielfilm „Ein Offizier und Gentleman“ und einen Oskar für „My Heart will go on“ aus dem Blockbuster „Titanic“. Auch bei diesem Album setze Udo also auf erstklassige Texter für die von ihm komponierten Lieder.

 

Das Lied „Leave a little Love“ war aber nicht Udos erster Erfolg in Japan, denn bereits knapp 10 Jahre zuvor erreichte das Lied „Wakare no Asa“ Platz 1 der japanischen Charts. Es wurde von der dortigen Gruppe Pedro & Capricious als Single und auf deren Debutalbum veröffentlicht und das Lied ist noch heute in Japan sehr populär (siehe YouTube). Komponist ist Udo Jürgens, denn die Melodie stammt von „Was ich Dir sagen will“ aus 1967 (damaliger Text von Blacky Fuchsberger). Auf dem Album „Leave a little Love“ hat es Udo mit englischem Text als „The Music Played“ neu aufgenommen. Dabei handelt es sich aber um eine Coverversion und zugleich eine Neuaufnahme, denn das Lied wurde bereits 1967 von Matt Monro zum Hit (z.B. Platz 1 in Argentinien) und Udo hatte es bereits 1969 auch selbst als Single veröffentlicht. Den englischen Text zu „The Music Played“ schrieb Mike Hawker. 

 

Don Black, der Texter mehrerer James Bond Titelsongs, lieferte auch den Text zu Liedern von Udo Jürgens. Auf dem Album „Leave a little Love“ sind ganze Fünf vertreten. Das bekannteste ist sicherlich „Walk Away“ mit der Melodie von „Warum nur, Warum“. Damit hatte Udo 1964 bei seiner ersten Teilnahme am Grand Prix Eurovision de la Chanson“ den fünften Platz erreicht. Matt Monro gefiel das Lied so gut (er wurde übrigens damals für Großbritannien selbst Zweiter des Wettbewerbs), dass er es selbst aufnehmen wollte und „Walk Away“ wurde sein erster großer Hit. 

Einen weiteren Text schrieb Don Black zu „If I never sing another song“ und diese Melodie stammt von dem Lied „Illusionen“ (1974), welches Udo Jürgens komponierte und für das die Sängerin Alexandra den Text schrieb. Die englische Version wurde ebenfalls international schon weit vor 1981 ein großer Erfolg - gesungen von Shirley Bassey (1976), Matt Monro (1977) und Sammy Davis Jr., den Udo sehr verehrte. Davis Jr. wählte den Titel sogar als Abschlusslied seiner Konzerte. Die Legende sagt, Udo hätte das Lied für Frank Sinatra geschrieben, aber das stimmt sicher nicht. Im Jahr 1978 gab Sammy Davis Jr. in München ein Konzert und Udo war unter den Zuhörern. Zum Schluss stimmte Davis Jr. das Lied an mit den Worten „In der Welt der Künstler gibt es keine Nationen, keine Religionen, keine Hautfarbe. Wir sind alle eine große Familie. Einer dieser Familie, ein großer Kollege von mir, ist hier bei uns im Saal. Er hat das Lied geschrieben.“. Dieses Erlebnis und Erinnerungen an die Entstehung von „Leave a little Love“ schilderte Udo Jürgens in seiner 1984 erschienenen Autobiographie „Smoking und Blue Jeans“. 

 

Von Don Black stammen auch die Texte zu „Even an Angel has bad Days“ (B-Seite der Single), „A little nearer to Heaven“ und „Back in Brazil“.  Das erste jener drei Lieder wurde mit einem deutschen Text 1989 der Titelsong des Albums „Sogar Engel brauchen Glück“, das zweite wurde 1996 als „Champagner regnet vom Himmel“ mit deutschem Text neu produziert und beides sind äußerst gelungene Neuaufnahmen. Bei „Back in Brazil“ steuerten die Bläser von Earth, Wind and Fire einen tollen Sound bei und Udo schrieb das Lied nach eigenen Angaben extra für ihren Sound. Zwei weitere schöne Lieder runden das Album ab. Es sind „Shouldn't It Be Love“, zu dem Donna Summer den Text und Harold Faltermeyer die Musik schrieben sowie „Once in a While“, hier stammt die Musik von Udo Jürgens sowie Faltermeyer und den Text schrieb Keith Forsey, der drei Jahre später für den Titelsong des Films „Flashdance“ einen Oskar erhielt. Dieses Lied wurde im Jahr 2000 als „Manchmal passiert's“ neu aufgenommen und zu allen drei Neuaufnahmen stammt der Text von Thomas Christen.

 

Das schöne Coverfoto des Albums wurde von Udos Bruder, dem Fotografen  Manfred Bockelmann in New York aufgenommen. Auch dieses sticht künstlerisch heraus und passt hervorragend zum Sound des gesamten Albums. Das Booklet der CD-Ausgabe enthält weitere Aufnahmen von Manfred Bockelmann aus New York - in seinem Udo-Bildband stehen sie unter der Überschrift „Fluchtpunk New York“. Das Album „Leave a little Love“ wurde ursprünglich als Vinly-LP und auf Musik Cassette veröffentlicht. Im Jahre 1996 kam es erstmals als CD auf den Markt und zum 30jährigen Jubiläum erschien 2011 ein Re-Release mit einem schönen Text von Dominik Beckmann. 

 

Faltermeyer produzierte nach „Leave a little Love“ auch das nächste Album von Udo Jürgens, das wunderbare „Silberstreifen“. Mein Fazit: der Udo Jürgens Sound der Achtziger Jahre war einfach der Beste!

 

Text: Daniel Speck (Oktober 2021)

 

 

Titelliste:

 

Even An Angel Has Bad Days

Leave A Little Love

A Little Nearer To Heaven

Shouldn't It Be Love

The Music Played

Once In A While

Walk Away

Back In Brazil

If I Never Sing Another Song

Leave A Little Love (Reprise)