Ich bin wieder da

 

Album, veröffentlicht bei Ariola im Oktober 1972 (Best.-Nr. 86399IT)

 

Im Herbst 1972 verkündete Udo Jürgens „Ich bin wieder da“ und genau dies war auch der Titel seines neuen Albums. Aber war er denn überhaupt weg? Seine letzte Europatournee, die Rekordtournee mit 500.000 Besuchern lag zwei Jahre zurück und tatsächlich absolvierte Udo im Frühjahr einige TV-Auftritte im tausende Kilometer entfernten Japan. Seine Komposition „Wakare no Asa“ („Was ich Dir sagen will“) gesungen von der Gruppe Pedro & Capricious hatte dort einen großen Erfolg und die Single der japanischen Gruppe erreichte im Februar 1972 Platz 1 der dortigen Charts. Udo gelang das als Interpret selbst nie, er wurde aber als erster deutschsprachiger Komponist mit einer goldenen Schallplatte für die Plattenverkäufe in Japan ausgezeichnet.

 

Als Udo dann verkündete „Ich bin wieder da“, so spielte dies auf drei besondere Ereignisse im Herbst 1972 an: zum einen der Start seiner neuen Europatournee mit dem gleichnamigen Titel und Motto, welche mit einem Konzert in Wien am 28. Oktober startete und die ihn bis März des nächsten Jahres in mehr als fünfzig europäische Städte führte. Zum Zweiten die Premiere des Musicals „Helden, Helden“, dessen Musik er komponiert hatte. Sie fand einen Tag vorher, nämlich am 27. Oktober im Theater an der Wien statt (Link zum Bericht auf udowiki.com). Und zum Dritten natürlich die Veröffentlichung seines neuen Albums ICH BIN WIEDER DA, welches er am 26. Oktober in der ZDF-Sendung „Starparade“ präsentierte.

 

 

Zu den ersten beiden Liedern des Albums hat Udo Jürgens nicht nur die Musik, sondern auch die Texte geschrieben, was nicht allzu oft vorkam, arbeitete er doch gerne mit hochkarätigen Textdichtern. Es sind das Titellied „Ich bin wieder da“ und „Wer ist der?“, letzteres ein etwas melancholisches und wohl sehr autobiographisches Stück...

 

Wer ist der, dessen Lied
allzu sehr nach Wehmut klingt,
was er liebt und wie er lebt,
irgendwie zum Klingen bringt?
Wer ist der, mit dem du lebst,
wo's bestimmt doch Bess're gibt?
Der bin ich und ich bin der,
der dich liebt.

 

Von dem Musical „Helden, Helden“ stammen zwei Stücke auf dem Album, hier in einer Interpretation von Udo selbst. Es sind das wunderschöne Liebeslied „Wie nennt man das Gefühl“ (im Musical gesungen von Raina) und „Daheim“ (im Musical gesungen von Sergius Saranoff). Beide Leider wurden getextet von Eckart Hachfeld, Walter Brandin und Hans Gmür. Von Hachfeld stammt noch der sehr gute aber auch traurige Text des Liedes „Als die Musik erklang“. Dieses handelt von einer Beziehung, die Vergangenheit ist, wo aber immer noch Gefühle bestehen - aber nur auf einer Seite...

 

Sie lachten und tranken rings um uns her
Die Nacht war weich und träumerisch
Doch zwischen uns beiden saß kalt und schwer
das Schweigen mit am Tisch.
Ich suchte nach Worten aus glücklicher Zeit
Mir fehlte Dein Lachen schon allzu lang
Ich wollte Dir sagen, es tut mir leid,
als die Musik erklang...

 

Ja das ist die Melodie
die sich durch mein Leben zieht.
Uns’re Abschiedsmelodie
ich vergess’ sie nie.

 

Die Musik schwankt zwischen opulentem Orchester und zartem Klavierspiel, ein herrliches Arrangement! Das Lied wurde auf der Compilation LIEDER DIE IM SCHATTEN STEHEN später dann auch digital veröffentlicht. Die Textdichterin und Lyrikerin Miriam Frances, die eigentlich Waltrud Franzes hieß, hat den Text zu „Mein Gruß an die verlorene Kindheit“ geschrieben und es ist der erste von nur vier Texten für Udo aus ihrer Feder. 

 

Ein schönes Lied von einer vergangenen Liebe, die immer noch nachwirkt, hat Brigitte Gerwens mit „Soll ich heute zu dir gehen?“ getextet. Sie hat für Udo auch unter dem Namen Katharina Gerwens getextet und ihr letztes Lied für ihn („Wohin geht die Liebe, wenn sie geht“) ist auf dem Album MITTEN IM LEBEN enthalten, welches Udo im Jahr seines Todes veröffentlicht hat. Gerwens hat für Udo immer sehr persönliche und einfühlsame Texte geschrieben, bei ihrem ersten war sie neunzehn Jahre alt und noch eine Schülerin („Wer hat meine Zeit gefunden“). 

 

Das Lied „Mayerling“ mit einem Text von Michael Kunze ist eine Ballade über den Tod zweier, die sich lieben aber keinen Ausweg sehen. Im Jahre 1898 kam es im Jagdschloss Mayerling in Österreich zur Tragödie, als Kronprinz Rudolf, der Sohn von Kaiser Franz Josef von Österreich und seiner Gemahlin Elisabeth (bekannt auch als „Sisi“), unter heute noch ungeklärten Umständen zu Tode kam. Vom Selbstmord aus Liebe bis hin zum politischen Mord reichten die Deutungen der Tragödie von Mayerling. Nach eigenen Aussagen von Udo ist es ein zeitloses Thema und es gehe dabei nicht um die Monarchie. 

 

Zwei, die keinen Ausweg sehen,
die nur lieben, nicht verstehen,
und ihr Glück ist viel zu zart für diese Welt.
Die Geschichte wurde tausendmal erzählt.
Mayerling,
Liebe, stärker als der Tod.

 

Die Orgel spielte Udo selbst, was er im Interview mit dem Reporter Peter von Zahn betonte. Udo hat dieses Lied 1972 auch mit französischem Text in Frankreich beim Label Montana Sonopresse als Single veröffentlicht. Es ist auf der B-Seite enthalten, die A-Seite ist „Qui-est il“ und dabei handelt es sich um die französische Version von „Wer ist der“. Beide Lieder sind ausschließlich auf dieser Single jemals veröffentlicht worden und daher wahre Raritäten. Auch den Text des Liedes "Damals ist ein trauriges Wort" hat Michael Kunze geschrieben. Diese beiden Lieder sind die ersten von ihm für Udo Jürgens und es sollten noch weit über hundert weitere folgen, darunter Hits wie "Griechischer Wein", "Hautnah" oder "Ich war noch niemals in New York".

 

Das Lied „Die Liebe des Morgens“ stammt von dem österreichischen Textdichter ‚Wolfgang’, der mit vollem Namen Wolfgang Hofer heißt. Für Udo Jürgens hat er über hundert Texte geschrieben und sein allererster war der Text zu „Mein Klavier“, welches ebenfalls auf dem Album enthalten ist. In diesem besingt Udo seine Liebe zu dem Instrument...

 

Ich mag dich einfach mein Klavier,
du bist und bleibst der beste Freund für mich!
Und gäb's dich nicht, säß ich nicht hier.
Und dieses Lied ist für dich.


 

Das Album ICH BIN WIEDER DA wurde produziert von Boris Jojic für Montana und aufgenommen wurde es in den Union-Studios in München, dem damaligen Wohnort von Udo Jürgens. Jojic spielte mit seinem Orchester die Musik des Albums ein und die kraftvollen Orchesterarrangements stammen auch von ihm. Jojic hatte schon auf Udos letztem Album seinen musikalischen Fingerabdruck hinterlassen und bis Ende der Achtziger Jahre arbeitete er für Udos Produktionen als Arrangeur. Background Chor waren die Rosy Singers, eine deutsche Musikgruppe, die zwar eigene Singles veröffentlichte, aber meist andere Stars unterstützte, so Katja Eppstein 1971 bei ihrem dritten Platz beim Eurovision Song Contest (damals noch Grand Prix Eurovision de la Chanson) oder 1972 Vicky Leandros, die damals gewann.

 

Schlusslied des Albums ist „Glory Glory Halleluja – When The Saints go marchin’ in” mit einem ruhigen Anfang und einer rasanten Steigerung in der zweiten Hälfte. Das Lied war einer der Höhepunkte der sehr erfolgreichen Udo Jürgens-Tournee 1972/1973. Sie führte Udo in über 50 Städte in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg, in die Tschechoslowakei und nach Polen. Trotz der erfolgreichen Tournee war es keine einfache Zeit für Udo Jürgens. Die Kritiken zu seinem Musical waren schlecht und das Album ICH BIN WIEDER DA konnte sich nur für zwei Wochen in den Charts platzieren, es erreichte Platz 34. Auch die Single „Ich bin wieder da“ / „Mayerling“ erreichte nur Platz 40 der Charts. Nicht besser klappte es mit dem nächsten Album und einstellige Chartplazierungen gelangen Udo erst wieder 1975 mit dem Album MEINE LIEDER.

 

An der Aufmachung konnte es nicht gelegen haben, diese kam beim Album ICH BIN WIEDER DA sehr innovativ daher, gestaltet wie so viele Alben von Udo Jürgens von Manfred Vormstein. Die Schallplatte steckte in einer schwarzen Papierhülle, auf der die Termine der ersten Tourneehälfte aufgedruckt waren. Die Papierhülle lag in einem Klappcover, bestehend aus drei Teilen. Diese Teile bildeten jeweils die Form eines der drei Buchstaben U - D - O und die Buchstaben in blau, grün und rot zeigten Fotos von Udo während seiner letzten Tournee. Auf der Rückseite waren schöne Fotos von den Fotografen Manfred Bockelmann (Udos Bruder) und G. Bousquet abgedruckt. Das Klappcover steckte dann zum Schutz noch in einer transparenten Hülle aus Kunststoff, auf der Albumtitel und Liederfolge abgedruckt waren. Durchgesetzt hat sich diese aufwendige Verpackung (man nennt sie „Gimmick-Cover“ und das steht für Spielerei) aber nicht, sie ist auch lange nicht so haltbar, wie die klassischen Papphüllen. 

 

Fazit: Auch wenn auf dem Album kein großer Hit enthalten ist, so hätte es doch mehr Aufmerksamkeit (und eine Wiederveröffentlichung in digitaler Form) verdient. Die Melodien und Texte der Lieder sind wunderbar, die Arrangements einfach hervorragend und die Orchesteraufnahmen sehr beeindruckend und vielseitig. Es ist ein Album, welches man einfach von vorne bis hinten durchhören muss, die Zeit sollte man sich nehmen!

 

Anspieltipps: Wie nennt man das Gefühl, Soll ich heute zu Dir geh'n? Als die Musik erklang

 

© Text: Daniel Speck

 

Lieder:
Ich bin wieder da    (Jürgens/Jürgens)
Wer ist der    (Jürgens/Jürgens)
Die Liebe des Morgens    (Jürgens/Wolfgang)
Damals ist ein trauriges Wort    (Jürgens/Kunze)
Wie nennt man das Gefühl    (Jürgens/Brandin, Gmür, Hachfeld)
Mein Klavier    (Jürgens/Wolfgang)
Mayerling    (Jürgens/Kunze)
Daheim    (Jürgens/Brandin, Gmür, Hachfeld)
Soll ich heute zu dir gehen?    (Jürgens/Gerwens)
Mein Gruß an die verlorene Kindheit    (Jürgens/Frances)
Als die Musik erklang    (Jürgens/Hachfeld)
Glory Glory Halleluja – When The Saints    (Jürgens/Jojic u.V. Trad.)